Fritz Wunderlich - Leben und Legende

Ein Film von Thomas Staehler und Thomas Voigt   im ZDF

In den frühen Morgenstunden des 17. September 1966 klingelt bei seiner Ehefrau in München das Telefon. Die erschreckende Nachricht: Ihr Mann ist schwer gestürzt, hat lebensbedrohliche Kopfverletzungen. Eva Wunderlich macht sich sofort auf den Weg ins Krankenhaus. Doch sie kommt zu spät. Fritz Wunderlich stirbt noch wenige Stunden später - neun Tage vor seinem 36. Geburtstag. Tragisches Ende eines großen Künstlers, liebevollen Vaters und Ehemannes.

Seitdem ranken sich Legenden um die letzten Jahre des Sängers. Wie die von Frühvollendung und Todesahnung. Warum hatte der Star drei Wochen vor seinem Tod seine Autogrammkarten mit „in memoriam Fritz Wunderlich“ unterschrieben? Wieso lebte er die letzten Jahre mit einer Intensität, als könnte jeder Tag der letzte sein? „Fritz Wunderlich singt immer mit einer Intensität, als ob es das letzte Mal wäre“, hatte eine Sängerkollegin noch zu Lebzeiten des Sängers gesagt. Eine Sichtweise, die erschreckende Wahrheit in sich birgt. „Der Tod war für ihn immer gegenwärtig. Im Nachhinein klingt das seltsam, aber es scheint so, als habe er geahnt, dass er früh sterben muss“, sagt der Sohn Wolfgang Wunderlich über die Todesahnungen, die seinen Vater ein Leben lang bedrückten. Alles was er tat, ob auf der Bühne oder privat, tat er mit einer nahezu obsessiven Energie. Facetten des Mythos Wunderlich. Wie bei der Callas hat man Wunderlichs Leben oft mit dem Bild jener Kerze beschrieben, die an beiden Enden brennt.

40 Jahre später ist es möglich, ein emotionales und spannendes Gesamtbild des Künstlers zu schaffen. Wie ist der Mythos Wunderlich entstanden? Das TV-Portrait zeichnet ein Bild des Sängers, der in den Jahren des Wirtschaftswunders zur künstlerischen Ikone wurde. Zugleich wird Wunderlichs Alltag aus seiner eigenen Perspektive gezeigt: Selbst gedrehte 16mm-Filme des Sängers, die jetzt zum ersten Mal veröffentlicht werden, zeigen die Legende Wunderlich aus einem völlig neuen Blickwinkel. Aus seiner Sicht schaut man hinter die Kulissen der Glamour-Welt des klassischen Musikbetriebs, der während der Wirtschaftswunderjahre von großer gesellschaftlicher Relevanz war. Seltene Live- und Fernseh-Aufnahmen sowie Aussagen von Zeitzeugen und heute aktiven Künstlern runden das Portrait ab, das erstmals ein einprägsames Gesamtbild des Ausnahmekünstlers vermittelt.