Das Geheimnis um U166

Ein Film von Oliver Halmburger, Florian Beierl und Stefan Brauburger   im ZDF


Die Vereinigten Staaten verloren 1942 eine große Zahl von Schiffen, mehr als sie zunächst nachbauen konnten. Eine kritische Situation, von der die amerikanische Öffentlichkeit damals nicht unterrichtet wurde.

Der Golf von Mexiko war im Mai 1942 das gefährlichste Gewässer der Welt. 19 deutsche U-Boote jagten von April bis September fast ungehindert Tanker, Frachter und Versorgungskonvois. Mehr als 60 Schiffe wurden versenkt. Fischer im Mississippi-Delta erinnern sich noch heute an die brennenden Tanker, das Elend der Schiffbrüchigen und die Toten, die an die Strände gespült wurden.

Robert E. LeeAm 30. Juli war der Dampfer "Robert E. Lee" im Periskop von U 166 zu sehen. U-Boot-Kommandant Hans-Günther Kuhlmann gab sofort den Feuerbefehl. An Bord des Passagierschiffs sah man den weißen Strahl an der Wasseroberfläche, dann detonierte der Torpedo. "Es war ein plötzlicher Ruck", erinnert sich Marshall Charlton, damals Matrose auf der "Robert E. Lee". "Als ob das Schiff gegen eine Wand gefahren wäre." Im Maschinenraum getroffen, sank der Dampfer binnen weniger Minuten. Mehr als 400 Passagiere befanden sich an Bord, die meisten konnten gerettet werden.

Auf U 166 wollte man nach dem Treffer wissen, ob das Schiff auch wirklich sank, und tauchte auf. Ein gravierender Fehler: Ein Zerstörer der US Navy, der die "Robert E. Lee" begleitete, entdeckte das feindliche U-Boot und warf Wasserbomben. Eine der Bomben traf das Vorderschiff. U 166 war schwer beschädigt, die 52 Besatzungsmitglieder hatten keine Chance. In zwei Teile zerrissen sank das Boot fast 1500 Meter tief auf den Grund des Mississippi- Canyon. Doch die Amerikaner bemerkten die Versenkung des Bootes nicht. Unweit von U166 schlug die "Robert E. Lee" auf. In Deutschland wartete man vergeblich auf eine Meldung über den Verbleib des Bootes: U 166 und seine Besatzung galten als verschollen.

TauchroboterEs sollte fast 60 Jahre dauern, bis die Wracks bei den Bodenuntersuchungen mit dem Tauchroboter entdeckt wurden. Angehörige der Besatzungsmitglieder haben jetzt endlich Gewissheit über das Schicksal der U-Boot-Männer. Die Witwe des 1. Offiziers Hans Traun ist heute 83 Jahre alt. Sie erinnert sich an den schmerzlichen Abschied. Ihr Mann, damals 25, zeigte ihr heimlich und stolz das neue Langstrecken-U-Boot. Jetzt, da sie die Ruhestätte ihres Mannes kennt, sagt Ursula Traun: "Ein tragisches Kapitel meines Lebens ist jetzt wirklich zu Ende."

Doch wie kommt es, dass zwei Piloten der US-Küstenwache glaubten, sie hätten U 166 im Mississippi-Delta versenkt? Kommandant
Kuhlmann Am 24. und 25. Juli 1942 führte U 166 vor New Orleans seinen "Sonderauftrag" aus: die Verminung der Mississippi-Mündung. Dabei kam es zu einer Begegnung mit U 171. Wenige Tage später wurde eben jenes U 171 von Flugzeugen der US-Küstenwache gesichtet. Die Piloten zielten auf das Boot. "Sie hatten nur eine Wasserbombe von 60 Kilo dabei", so U-Boot-Forscher Christ aus Lousiana. "Es wäre ein extremer Glückstreffer gewesen, wenn sie damit ein Boot vom Typ 9C versenkt hätten. Wie sich jetzt herausstellt, war das nicht der Fall." Die Coast-Guard-Piloten kreisten über eine Stunde um die Abwurfstelle, sichteten Ölspuren und nahmen an, sie hätten das U-Boot versenkt.

Doch U 171 hatte durch leere Torpedorohre absichtlich Öl und Müll abgelassen, während es unter Wasser in Deckung blieb. Die Ölspuren sollten den Verfolgern vortäuschen, dass das Boot getroffen und gesunken war. Die Piloten vermeldeten stolz ihre angeblichen Erfolg: Sie hätten das Boot, das die "Robert E. Lee" auf dem Gewissen hätte, versenkt. Doch an der betreffenden Stelle wurde nie ein Wrack gefunden.

Wrack
der U166Wo also war U 166 geblieben? Seitdem sorgte das "verschwundene" Unterseeboot an der Küste Louisianas für Gerüchte und wurde zur Legende. U 171 hingegen, bei dem Fliegerangriff kaum beschädigt, entkam und schaffte es bis in den Golf von Biscaya. Doch auch seine Tage waren gezählt: Nicht weit vom französischen Stützpunkt Lorient lief es auf eine Seemine. 30 der 52 Besatzungsmitglieder starben. Das deutsche U-Boot, das tatsächlich im Golf von Mexiko blieb, war U 166. Es lag Seite an Seite mit der "Robert E. Lee" und blieb 59 Jahre lang unentdeckt.