Stalin - Der Kriegsherr
Ein Film von Oliver Halmburger im ZDF
Schlachtfelder waren für den jungen Stalin ein fremder Schauplatz: Den Ersten Weltkrieg erlebte der ehrgeizige Revolutionär im politischen Untergrund, auf der Flucht oder im Straflager. Das Militär kannte Stalin vor allem als Instrument, Aufstände und Unruhen im eigenen Land niederzuschlagen.
Während seiner Diktatur wuchs die Gefahr von außen. Seit 1933 herrschte Adolf Hitler im Deutschen Reich. Der NS-Führer hatte den „Bolschewismus“ schon in seinem Pamphlet „Mein Kampf“ zum Todfeind erklärt. Doch sah sich Stalin zunächst vor allem durch das eigene Offizierskorps bedroht. Während der großen Säuberungen 1973/38 wurde die Rote Armee regelrecht enthauptet – Ausdruck auch von Verfolgungswahn.
Stalin glaubte, das Vabanquespiel unter Kontrolle zu haben: Im August 1939 schloss er mit Hitler-Deutschland überraschend einen Nichtangriffspakt. Für ihn galt es, Zeit zu gewinnen und – wie die Teilung Polens zeigte - schreckte er vor Eroberungen nicht zurück, wenn das Risiko überschaubar war. Er forcierte ein riesiges Rüstungsprogramm. Dass er selbst einen Angriff gegen Hitler-Deutschland plante, wie manche Stimmen behaupten, ist für das Jahr ’41 auszuschließen. Ob es später dazu gekommen wäre, bleibt spekulativ, ist nicht belegbar. Die deutsche Wehrmacht erschien nach dem Sieg über Frankreich aus sowjetischer Sicht ohnedies unbesiegbar. Für Hitler waren Stalins Pläne nicht ausschlaggebend, er wollte seinen Krieg im Krieg, den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion so schnell wie möglich beginnen und siegreich beenden.
Obwohl Stalin mehrfach von seinen Geheimdiensten und Generälen gewarnt wurde, gab er keinen Befehl zur Gefechtsbereitschaft, er glaubte nicht, dass der deutsche Diktator einen Zweifrontenkrieg
riskieren würde, zudem wollte er Hitler nicht provozieren. So wurde die Sowjetarmee am 22. Juni 1941 vom deutschen Angriff überrascht. Stalin war zunächst wie paralysiert und kannte nur einen Befehl: Keinen Schritt zurück! Die Wehrmacht aber brach an allen Fronten durch. Die Folge waren verheerende Umfassungsschlachten mit Millionen von sowjetischen Gefangenen. Erst als Stalin seinen Generälen - namentlich dem zuvor strafversetzten Georgij Schukow - mehr Verantwortung gab, kam es zur Kriegswende vor Moskau.
Er war keineswegs der unfehlbare Führer im „Vaterländischen Krieg“, zudem er sich stilisierte. Seine Kriegführung nahm keine Rücksicht auf Verluste, Kritiker meinen, dass der Krieg nicht mit, sondern trotz Stalin gewonnen wurde.
Es war letztlich Hitler, der mit seinem Plan, das Sowjetreich zu zerschlagen, den eigenen Untergang besiegelte. Er hatte die Weite des Raumes und den Widerstand der Roten Armee unterschätzt. Mehr und mehr offenbarte sich die Schlagkraft der sowjetischen Rüstungsindustrie. Wegen der brutalen Besatzungsherrschaft der Deutschen gewann Stalin Rückhalt im eigenen Volk.
Die einst gegen Stalin eingestellten Westmächte wurden nach Hitlers Überfall zu den wichtigsten Verbündeten. Ohne ihren Nachschub drohte der Roten Armee die Niederlage. Die Schlacht von Stalingrad war Kriegswende, aber nicht Kriegsende. Der „Generalissimus“ drängte Washington und London, eine zweite Front in Europa zu errichten. Churchill wollte über Italien auf dem Kontinent vordringen, doch Stalin wollte keine Truppen des Westens in der Mitte Europas.
Der Angriff fand schließlich in der Normandie statt. Schon jetzt gab es bei den Westmächten warnende Stimmen vor dem sowjetischen Eroberungsdrang, aber zunächst stand der Sieg über Hitler im
Vordergrund. Bei der Konferenz der künftigen Siegermächte in Jalta wurden die Einflusssphären in Europa abgesteckt. Soweit die eigenen Armeen - soweit das eigene System, lautete Stalins Grundsatz. Er forderte die Westverschiebung Polens und setzte sich durch: Das bedeutete für Millionen von Menschen Vertreibung. Die Sowjetunion ging aus dem Weltkrieg als Weltmacht hervor. Die Konturen des Kalten Krieges zeichneten sich ab. Noch hatten nur die USA die Atombombe und setzten mit Hiroshima auch ein Fanal ihrer Übermacht. Doch für Stalin hatte die Aufholjagd schon begonnen.
Frühere hohe Militärs und Angehörige von Politikern der Stalin-Ära schildern, wie Stalin Hitler unterschätzte und wie eine rücksichtslose Kriegsführung Hunderttausende von Menschenleben in den eigenen Reihen kostete. Zum ersten Mal äußert sich die Tochter eines Generals, der bei den „Säuberungen“ in der Armee auf Stalins Befehl exekutiert wurde. Der frühere
Wehrmachtssoldat Rolf Paul wurde Zeuge eines Verhörs von Stalins Sohn Jakov, der in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet und schließlich von seinem Vater im Stich gelassen wurde. Die Töchter der Marschälle Konjew und Schukow berichten vom Wettlauf ihrer Väter nach Berlin, Sir Patrick Francis Kinna, Churchills Sekretär von 1941-1945 schildert die wechselvollen Beziehungen zwischen den ungleichen Alliierten. Bislang unbekannte Filmausschnitte, Tagebuch-Aufzeichnungen seines Beraters Mikojan und Aufnahmen aus seinem geheimen Bunker in Samara gewähren weitere Einblicke in Stalins Krieg.
Während seiner Diktatur wuchs die Gefahr von außen. Seit 1933 herrschte Adolf Hitler im Deutschen Reich. Der NS-Führer hatte den „Bolschewismus“ schon in seinem Pamphlet „Mein Kampf“ zum Todfeind erklärt. Doch sah sich Stalin zunächst vor allem durch das eigene Offizierskorps bedroht. Während der großen Säuberungen 1973/38 wurde die Rote Armee regelrecht enthauptet – Ausdruck auch von Verfolgungswahn.
Stalin glaubte, das Vabanquespiel unter Kontrolle zu haben: Im August 1939 schloss er mit Hitler-Deutschland überraschend einen Nichtangriffspakt. Für ihn galt es, Zeit zu gewinnen und – wie die Teilung Polens zeigte - schreckte er vor Eroberungen nicht zurück, wenn das Risiko überschaubar war. Er forcierte ein riesiges Rüstungsprogramm. Dass er selbst einen Angriff gegen Hitler-Deutschland plante, wie manche Stimmen behaupten, ist für das Jahr ’41 auszuschließen. Ob es später dazu gekommen wäre, bleibt spekulativ, ist nicht belegbar. Die deutsche Wehrmacht erschien nach dem Sieg über Frankreich aus sowjetischer Sicht ohnedies unbesiegbar. Für Hitler waren Stalins Pläne nicht ausschlaggebend, er wollte seinen Krieg im Krieg, den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion so schnell wie möglich beginnen und siegreich beenden.Obwohl Stalin mehrfach von seinen Geheimdiensten und Generälen gewarnt wurde, gab er keinen Befehl zur Gefechtsbereitschaft, er glaubte nicht, dass der deutsche Diktator einen Zweifrontenkrieg
riskieren würde, zudem wollte er Hitler nicht provozieren. So wurde die Sowjetarmee am 22. Juni 1941 vom deutschen Angriff überrascht. Stalin war zunächst wie paralysiert und kannte nur einen Befehl: Keinen Schritt zurück! Die Wehrmacht aber brach an allen Fronten durch. Die Folge waren verheerende Umfassungsschlachten mit Millionen von sowjetischen Gefangenen. Erst als Stalin seinen Generälen - namentlich dem zuvor strafversetzten Georgij Schukow - mehr Verantwortung gab, kam es zur Kriegswende vor Moskau. Er war keineswegs der unfehlbare Führer im „Vaterländischen Krieg“, zudem er sich stilisierte. Seine Kriegführung nahm keine Rücksicht auf Verluste, Kritiker meinen, dass der Krieg nicht mit, sondern trotz Stalin gewonnen wurde.
Es war letztlich Hitler, der mit seinem Plan, das Sowjetreich zu zerschlagen, den eigenen Untergang besiegelte. Er hatte die Weite des Raumes und den Widerstand der Roten Armee unterschätzt. Mehr und mehr offenbarte sich die Schlagkraft der sowjetischen Rüstungsindustrie. Wegen der brutalen Besatzungsherrschaft der Deutschen gewann Stalin Rückhalt im eigenen Volk.
Die einst gegen Stalin eingestellten Westmächte wurden nach Hitlers Überfall zu den wichtigsten Verbündeten. Ohne ihren Nachschub drohte der Roten Armee die Niederlage. Die Schlacht von Stalingrad war Kriegswende, aber nicht Kriegsende. Der „Generalissimus“ drängte Washington und London, eine zweite Front in Europa zu errichten. Churchill wollte über Italien auf dem Kontinent vordringen, doch Stalin wollte keine Truppen des Westens in der Mitte Europas.
Der Angriff fand schließlich in der Normandie statt. Schon jetzt gab es bei den Westmächten warnende Stimmen vor dem sowjetischen Eroberungsdrang, aber zunächst stand der Sieg über Hitler im
Vordergrund. Bei der Konferenz der künftigen Siegermächte in Jalta wurden die Einflusssphären in Europa abgesteckt. Soweit die eigenen Armeen - soweit das eigene System, lautete Stalins Grundsatz. Er forderte die Westverschiebung Polens und setzte sich durch: Das bedeutete für Millionen von Menschen Vertreibung. Die Sowjetunion ging aus dem Weltkrieg als Weltmacht hervor. Die Konturen des Kalten Krieges zeichneten sich ab. Noch hatten nur die USA die Atombombe und setzten mit Hiroshima auch ein Fanal ihrer Übermacht. Doch für Stalin hatte die Aufholjagd schon begonnen. Frühere hohe Militärs und Angehörige von Politikern der Stalin-Ära schildern, wie Stalin Hitler unterschätzte und wie eine rücksichtslose Kriegsführung Hunderttausende von Menschenleben in den eigenen Reihen kostete. Zum ersten Mal äußert sich die Tochter eines Generals, der bei den „Säuberungen“ in der Armee auf Stalins Befehl exekutiert wurde. Der frühere
Wehrmachtssoldat Rolf Paul wurde Zeuge eines Verhörs von Stalins Sohn Jakov, der in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet und schließlich von seinem Vater im Stich gelassen wurde. Die Töchter der Marschälle Konjew und Schukow berichten vom Wettlauf ihrer Väter nach Berlin, Sir Patrick Francis Kinna, Churchills Sekretär von 1941-1945 schildert die wechselvollen Beziehungen zwischen den ungleichen Alliierten. Bislang unbekannte Filmausschnitte, Tagebuch-Aufzeichnungen seines Beraters Mikojan und Aufnahmen aus seinem geheimen Bunker in Samara gewähren weitere Einblicke in Stalins Krieg.