Das Wunder von Mogadischu
Ein Film von Oliver Halmburger im ZDF
Sie konnten zuerst nicht ahnen, dass die Entführung ihrer Lufthansamaschine etwas mit dem Geschehen in der Heimat zu tun hatte. Die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer Anfang
September hatte die Bundesrepublik in einen regelrechten Ausnahmezustand versetzt. Die Bonner Regierung war – anders als bei de Entführung von Peter Lorenz 1975 – nicht zu einem Austausch gegen RAF-Gefangene bereit. Die Kaperung der Lufthansamaschine Landshut durch palästinensische Terroristen sollte die Freilassung erzwingen. In der Erklärung der Schleyer-Entführer hieß es: „Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass die Passagiere und Besatzung der Lufthansa-Maschine 737... unter unserer vollständigen Kontrolle und Verantwortung stehen.“ Mit dem unerwarteten „Bündnis“ zwischen der RAF und der radikalen Palästinensergruppe PFLP offenbarte der Terror eine neue, internationale Dimension.
„Wir hatten das Gefühl, wir sind völlig auf uns gestellt“, erinnert sich Gabriele von Lutzau. Die Autoren versuchen in den Film, das Schicksal der Entführten vor dem Hintergrund der politischen Vorgänge und Entscheidungen zu spiegeln, rücken dabei bislang unbekannte Facetten in den Vordergrund.
Die damalige „Landshut“-Stewardess Gabriele Dillmann (heute von Lutzau) und der Co-Pilot der Boeing 737, Jürgen Vietor, schildern, was eine solche Extremsituation aus Menschen macht. Gabi Dillmann gab den Passagieren Hoffnung, sprach mit den Entführern, appellierte in Mogadischu an die Bundesregierung. Ihr Freund Rüdeger von Lutzau flog den Sonderbeauftragten Hans-Jürgen Wischnewski nach Somalia und verfolgte das Drama aus der Nähe mit, machte seiner Freundin nach der Befreiung einen Heiratsantrag. Entführungsopfer kommen zu Wort, die auch bislang Unterzähltes schildern – noch heute leiden sie unter den folgen ihrer 105-stündigen Gefangenschaft in der Landshut, einige von ihnen mussten Scheinexekutionen über sich ergehen lassen.
Der Situation an Bord des Flugzeuges steht das Geschehen auf politischer Ebene gegenüber. Dabei richten die Autoren das Augenmerk weniger auf das schon mehrfach dargestellte Parallel-Szenario in Stammheim oder bei den Schleyer-Entführern. Im Vordergrund steht die internationale Krisendiplomatie – auch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und des Nahostkonflikts.
In diesem Kontext sind nicht nur die Verbindungen der RAF zum „Sonderkommando“ der PFLP (Volksfront zur Befr. Palästinas) signifikant. Überläufer des KGB und anderer östlicher Geheimdienste haben in den vergangenen Jahren anhand von Quellen und Aufzeichnungen belegt, dass der Anführer der Gruppe, Wadi Haddad, auch KGB-Agent war. Frühre US-Studien stellen Moskau ohnedies unter Generalverdacht, im Kalten Krieg internationalen Terror zur Destabilisierung des Westens geschürt zu haben. Doch wie weit ging die direkte oder indirekte Einflussnahme des KGB damals wirklich? Zum ersten Mal nimmt Bassam Abu-Scharif, einst Führungsmitglied der PFLP und enger Vertrauter von Haddad, dazu Stellung – mit verblüffenden Aussagen.
Bislang unveröffentlichte Dokumente bestätigen, dass während der Entführung sowohl Ost-Berlin als auch Moskau Schritte unternommen haben, um der Bonner Regierung zu helfen. In einem Tass-Bericht vom 19.10.1977 ist von „Verbrecherischen Aktionen der Terroristen“ die Rede, die „das Flugzeug entführt hatten“. Distanzierte sich Moskau von den „Freiheitskämpfern“, die es bislang unterstützte? Wie ist die Haltung des Südjemen erklären? Haben Ostberlin oder die Sowjetregierung dafür gesorgt, dass die Palästinenser mit ihren Gefangenen dort nicht untertauchen konnten, oder waren andere Mächte ausschlaggebend?
Das eine deutsche Antiterroreinheit auf somalischen Boden überhaupt in Aktion treten durfte, war die größte Herausforderung an das Verhandlungsgeschick der Bundesregierung und ihrer Beauftragten. Die Autoren legen anhand von Dokumenten und Zeitzeugenaussagen dar, mit welchen taktischen Schachzügen dies tatsächlich gelang.
Der Titel „Das Wunder von Mogadischu“ gibt die Empfindung vieler überlebender Geiseln wieder, der Ausgang der dramatischen Odyssee war nicht nur in ihren Augen ein „ungeheurer Glücksfall“.
Ob die „Landshut“ nach der Notlandung in Aden tatsächlich noch flugfähig war, für die Strecke bis nach Mogadischu, war völlig offen, „wir flogen mit den Triebwerken nah am roten Bereich“, sagt Co-Pilot Vietor. Auch der Erfolg der Spezialeinheit GSG-9 war keinesfalls vorprogrammiert, vielmehr hing das Unternehmen an einem seidenen Faden. Das Flugzeug, das die Elitetruppe nach Somalia brachte, landete „mit dem letzten Tropfen Sprit“, da zuvor keine Landeerlaubnis erteilt worden war. Die geplante Befreiung der Geiseln drohte vor dem Zugriff aufzufliegen. Ein passionierter israelischer Hobbyfunker hatte den Funkverkehr im Umfeld der Landshut abgehört und seine Erkenntnisse dem israelischen Fernsehen übermittelt. Dort wurde an jenem Abend über die möglicherweise bevorstehende Befreiung berichtet. Über die französische Agentur AFP nahm die Nachricht ihren Weg auch in deutsche Medien. Der Funker, der israelische TV-Moderator, und deutsche Journalisten berichten, welchen Wirbel diese Information verursachte.
Dass weder ein Angehöriger der GSG-9, noch Passagiere ernsthaft verletzt wurden, ist nicht nur mit der Professionalität der Befreiungsaktion zu erklären. Ohne ihr Wissen führte der Weg der GSG-Leute zur Maschine durch ein Giftschlangengebiet. Bei der Annäherung an das Flugzeug warfen die Männer lange Schatten, ein riesiger Vogelschwarm stieg auf und verursachte ohrenbetäubenden Lärm, eine Leiter ließ sich zunächst nicht positionieren, ein Teil der Funkgeräte fiel aus...
Neben dem Kommandanten Wegener schildern erstmals weitere Angehörige der Einheit ihre Sicht des Geschehens, auch ... Loser, der einen Halsdurchschuss erlitt, ohne dabei gefährlich verletzt zu werden. „Alles in allem“, so Wegener, „war es eine Mischung aus Glück und Können, die das Drama auf diese Weise beendete.“
September hatte die Bundesrepublik in einen regelrechten Ausnahmezustand versetzt. Die Bonner Regierung war – anders als bei de Entführung von Peter Lorenz 1975 – nicht zu einem Austausch gegen RAF-Gefangene bereit. Die Kaperung der Lufthansamaschine Landshut durch palästinensische Terroristen sollte die Freilassung erzwingen. In der Erklärung der Schleyer-Entführer hieß es: „Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass die Passagiere und Besatzung der Lufthansa-Maschine 737... unter unserer vollständigen Kontrolle und Verantwortung stehen.“ Mit dem unerwarteten „Bündnis“ zwischen der RAF und der radikalen Palästinensergruppe PFLP offenbarte der Terror eine neue, internationale Dimension.„Wir hatten das Gefühl, wir sind völlig auf uns gestellt“, erinnert sich Gabriele von Lutzau. Die Autoren versuchen in den Film, das Schicksal der Entführten vor dem Hintergrund der politischen Vorgänge und Entscheidungen zu spiegeln, rücken dabei bislang unbekannte Facetten in den Vordergrund.
Die damalige „Landshut“-Stewardess Gabriele Dillmann (heute von Lutzau) und der Co-Pilot der Boeing 737, Jürgen Vietor, schildern, was eine solche Extremsituation aus Menschen macht. Gabi Dillmann gab den Passagieren Hoffnung, sprach mit den Entführern, appellierte in Mogadischu an die Bundesregierung. Ihr Freund Rüdeger von Lutzau flog den Sonderbeauftragten Hans-Jürgen Wischnewski nach Somalia und verfolgte das Drama aus der Nähe mit, machte seiner Freundin nach der Befreiung einen Heiratsantrag. Entführungsopfer kommen zu Wort, die auch bislang Unterzähltes schildern – noch heute leiden sie unter den folgen ihrer 105-stündigen Gefangenschaft in der Landshut, einige von ihnen mussten Scheinexekutionen über sich ergehen lassen. Der Situation an Bord des Flugzeuges steht das Geschehen auf politischer Ebene gegenüber. Dabei richten die Autoren das Augenmerk weniger auf das schon mehrfach dargestellte Parallel-Szenario in Stammheim oder bei den Schleyer-Entführern. Im Vordergrund steht die internationale Krisendiplomatie – auch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und des Nahostkonflikts.
In diesem Kontext sind nicht nur die Verbindungen der RAF zum „Sonderkommando“ der PFLP (Volksfront zur Befr. Palästinas) signifikant. Überläufer des KGB und anderer östlicher Geheimdienste haben in den vergangenen Jahren anhand von Quellen und Aufzeichnungen belegt, dass der Anführer der Gruppe, Wadi Haddad, auch KGB-Agent war. Frühre US-Studien stellen Moskau ohnedies unter Generalverdacht, im Kalten Krieg internationalen Terror zur Destabilisierung des Westens geschürt zu haben. Doch wie weit ging die direkte oder indirekte Einflussnahme des KGB damals wirklich? Zum ersten Mal nimmt Bassam Abu-Scharif, einst Führungsmitglied der PFLP und enger Vertrauter von Haddad, dazu Stellung – mit verblüffenden Aussagen. Bislang unveröffentlichte Dokumente bestätigen, dass während der Entführung sowohl Ost-Berlin als auch Moskau Schritte unternommen haben, um der Bonner Regierung zu helfen. In einem Tass-Bericht vom 19.10.1977 ist von „Verbrecherischen Aktionen der Terroristen“ die Rede, die „das Flugzeug entführt hatten“. Distanzierte sich Moskau von den „Freiheitskämpfern“, die es bislang unterstützte? Wie ist die Haltung des Südjemen erklären? Haben Ostberlin oder die Sowjetregierung dafür gesorgt, dass die Palästinenser mit ihren Gefangenen dort nicht untertauchen konnten, oder waren andere Mächte ausschlaggebend?
Das eine deutsche Antiterroreinheit auf somalischen Boden überhaupt in Aktion treten durfte, war die größte Herausforderung an das Verhandlungsgeschick der Bundesregierung und ihrer Beauftragten. Die Autoren legen anhand von Dokumenten und Zeitzeugenaussagen dar, mit welchen taktischen Schachzügen dies tatsächlich gelang.
Der Titel „Das Wunder von Mogadischu“ gibt die Empfindung vieler überlebender Geiseln wieder, der Ausgang der dramatischen Odyssee war nicht nur in ihren Augen ein „ungeheurer Glücksfall“.
Ob die „Landshut“ nach der Notlandung in Aden tatsächlich noch flugfähig war, für die Strecke bis nach Mogadischu, war völlig offen, „wir flogen mit den Triebwerken nah am roten Bereich“, sagt Co-Pilot Vietor. Auch der Erfolg der Spezialeinheit GSG-9 war keinesfalls vorprogrammiert, vielmehr hing das Unternehmen an einem seidenen Faden. Das Flugzeug, das die Elitetruppe nach Somalia brachte, landete „mit dem letzten Tropfen Sprit“, da zuvor keine Landeerlaubnis erteilt worden war. Die geplante Befreiung der Geiseln drohte vor dem Zugriff aufzufliegen. Ein passionierter israelischer Hobbyfunker hatte den Funkverkehr im Umfeld der Landshut abgehört und seine Erkenntnisse dem israelischen Fernsehen übermittelt. Dort wurde an jenem Abend über die möglicherweise bevorstehende Befreiung berichtet. Über die französische Agentur AFP nahm die Nachricht ihren Weg auch in deutsche Medien. Der Funker, der israelische TV-Moderator, und deutsche Journalisten berichten, welchen Wirbel diese Information verursachte. Dass weder ein Angehöriger der GSG-9, noch Passagiere ernsthaft verletzt wurden, ist nicht nur mit der Professionalität der Befreiungsaktion zu erklären. Ohne ihr Wissen führte der Weg der GSG-Leute zur Maschine durch ein Giftschlangengebiet. Bei der Annäherung an das Flugzeug warfen die Männer lange Schatten, ein riesiger Vogelschwarm stieg auf und verursachte ohrenbetäubenden Lärm, eine Leiter ließ sich zunächst nicht positionieren, ein Teil der Funkgeräte fiel aus...
Neben dem Kommandanten Wegener schildern erstmals weitere Angehörige der Einheit ihre Sicht des Geschehens, auch ... Loser, der einen Halsdurchschuss erlitt, ohne dabei gefährlich verletzt zu werden. „Alles in allem“, so Wegener, „war es eine Mischung aus Glück und Können, die das Drama auf diese Weise beendete.“
